Ausserirdisches Leben

Wenn Sie könnten, würden Sie der Wissenschaft vorschreiben, was sie erforschen soll? Wäre verlockend. Ich hätte da so Fragen, die man endlich psychologisch klären sollte. Warum kaufen Schweizer immer stärkere Viermalvier, ohne sie nötig zu haben? Warum muss jeder Bauer den schwereren Traktor haben als der Nachpur? Was genau geht in einem Berner vor, der 15‘000 Franken für eine glatte Autonummer ausgibt? Und gibt es dafür Therapien? Aktuelle Fragen der Verkehrspsychologie, die auch für die Politik wichtig wären. Wäre ich Regierungsrat, würde ich der Uni gern ein wenig vorschreiben, was man nächstes Jahr erforschen sollte. Aber das geht natürlich gar nicht! Die absolute Freiheit der Forschung muss in einem freiheitlichen Staat gewährleistet sein. Ehrlich: Nie wollte ich der Forschung dreinreden, auch wenn ich manchmal ganz gern würde.

Aber fragen darf man? In Genf ist ein riesiges unterirdisches Karussell für Elementarteilchen in Betrieb, der „Large Hadron Collider“. Man sucht damit ein Elementarteilchen, von dem der Physiker Higgs annahm, es müsse existieren. 10‘000 Wissenschaftler und ungezählte Hochschulen sind daran beteiligt. Nur schon der Bau kostete sechseinhalb Milliarden! Die Anlage muss unheimlich wichtig sein für die Menschheit, nur versteht das niemand, ausser hoffentlich die beteiligten Forscher. Ich traue mich nicht zu fragen.

Aber Sie darf ich heute fragen: Wie wichtig ist Ihnen, ob es irgendwo im Universum Leben gibt? Dass man tausend Lichtjahre entfernte Planeten untersucht, ob sie lebensfreundliches Klima haben? Dass man in einem Sternschnuppenstein komische Blöterli entdeckt, von denen ein Forscher dann sagen könnte, es sei nicht ausgeschlossen, dass das mal Bakterien waren? Ich konnte noch nicht herausfinden, wie viele Milliarden die Menschheit jährlich dafür verplempert, „ausserirdisches Leben“ zu suchen. Aber ich bin sicher, es würde uns schlecht, wenn wir es wüssten.

Warum wird derart viel Geld verbraten, um vielleicht doch einmal ausserirdisches Leben zu finden? Ich sehe zwei Gründe. 1. Fände man tatsächlich etwas, so könnten Evolutionstheoretiker jubeln: „Wir haben es doch gesagt: Stimmen die Bedingungen, entsteht Leben von selbst!“ Und die andern würden halt sagen: „Offenbar schuf Gott auch anderswo Leben …“. Die unsäglich teure Sucherei möchte verzweifelt gern zeigen, dass Leben von selbst entstehen könne, weil man das ja bisher weder je beobachten noch experimentell nachweisen konnte. 2. Nietzsche hatte erklärt, Gott sei tot, und bald glaubt ihm eine Mehrheit. Nun ist halt der Himmel leer und man fühlt sich so erbärmlich allein im Kosmos. Sucht man darum mit Milliardenaufwand Leben da draussen? Damit man nicht soo schrecklich allein ist? Jöö, rühend!

Hoffentlich finden die bald ein paar Viren auf dem Mars.

Weitere Texte entdecken

Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.